Ein Beitrag zur Kenntnis der Köcherfliegen im Landkreis Elbe-Elster (S-Brandenburg)

 

Die Köcherfliegen (Trichoptera) bilden eine Ordnung der Insekten innerhalb der Neuflügler (Neoptera) und gehören zu den holometabolen Insekten (Holometabola). Die Trichoptera sind die größte unter den primär aquatisch lebenden Insekten-ordnungen. Phylogenetisch stellen sie die Schwestergruppe der Schmetterlinge dar. Die Körperlänge der Tiere beträgt zwischen 1,5 und 40 mm, die Flügelspannweite zwischen 3,5 und 68 mm.

Ein auffälliges Merkmal der Köcherfliegen sind die mehr oder weniger stark behaarten Flügel, von denen sich der wissenschaftliche Name dieser Ordnung ableitet (griech. Trichos „Haar“ und griech. Pteron „Flügel“).

Vertreter dieser Gruppe besitzen meist lange und schlanke Beinpaare. Lange dornartige Fortsätze ("Sporne") an der Tibia sind ein wichtiges Merkmal zur Unterscheidung der Familien. Der Hinterleib ist walzenförmig. Am Hinterende des Hinterleibs sitzen die Kopulationsorgane, die vielfältig umgebildet sind und das wichtigste Merkmal zur Bestimmung der Arten darstellen. Seitlich am Kopf sitzen meist recht große und gut entwickelte Komplexaugen; die 3 Stirnaugen (Ocellen) können je nach Familie vorhanden sein oder auch fehlen. Die Fühler sind schnurförmig und meist sehr lang. Bei manchen Familien kann ihre Länge die Körperlänge deutlich übersteigen. Die Köcherfliegen besitzen leckende Mundwerkzeuge wobei die Mandibeln vollständig fehlen. Im Gegensatz zur nächst verwandten Ordnung Schmetterlinge fehlt ein Saugrüssel. An den Maxillen sind große, beinartige Palpen ausgebildet, die manchmal peitschenförmig verlängert sein können. Die Unterlippe (Labium) ist ausstülpbar und bildet ein so genanntes Haustellum.

Mit diesen Mundwerkzeugen nehmen die Imagines Honigtau und Pflanzensäften oder oft nur Wasser auf. Die Imagines mancher kurzlebiger Arten nehmen allerdings überhaupt keine Nahrung auf (z.B. Enoicyla, Fam. Limnephilidae: Lebensdauer der Imagines hier ca. 14 Tage). Im Allgemeinen beträgt die Lebensdauer des geflügelten Imaginalstadiums jedoch ca. 4 Wochen. Eine Imaginal-Diapause von 5 bis 6 Monaten ist bei manchen Arten möglich.

Die Imagines der meisten Arten sind dämmerungs- und nachtaktiv und halten sich tagsüber in der Vegetation verborgen. Fast alle Köcherfliegen werden nachts vom Licht angezogen. Tagaktive Arten besitzen oft ein spezifisches Schwarmverhalten. Verantwortlich für den deutschen Trivialnamen der Ordnung sind die Wohnröhren der Larven, die als Köcher bezeichnet werden. Diese werden aus einem Sekret gebaut, das von den Labialdrüsen der Larven produziert wird. Die daraus gebildeten Gespinstfäden entsprechen der Kokon-Seide der Schmetterlinge. Die meisten Köcher bestehen aus Substratelementen wie Steinchen oder Schilfstückchen, die zu einer Röhre verklebt werden.

Die Larven der Köcherfliegen leben, mit wenigen Ausnahmen, aquatisch (die einzige Ausnahme in Mitteleuropa: Gattung Enoicyla (Fam. Limnephilidae)). Die weitaus meisten sind Bewohner der Fließ- und Stillgewässer. Die einzelnen Arten sind meist auf bestimmte Gewässerabschnitte spezialisiert (Quellen und Quellbächen (Krenal), Bäche (Rhithral), Flüsse (Potamal)). Im Bearbeitungsgebiet sind es überwiegend Bewohner von stehenden Gewässern. Sie sind entweder freilebende Räuber (Rhyacophilidae) oder spinnen Fangnetze. Die Larven mancher Arten bauen Wohngewebe zwischen Wasserpflanzen und Steinen (z. B. Polycentropodidae). Andere legen tunnelförmige Röhren aus Sandpartikeln an (Psychomyidae) oder sie bauen transportable Köcher aus Pflanzenteilen, Sandkörnern, kleinen Steinchen oder Molluskenschalen. Die Nahrung der gehäusebauenden und filtrierenden Arten besteht aus Algen, Detritus, Pflanzenteilen oder bei Räubern (z. B. Phryganeidae) aus Insektenlarven und Krebstieren. Während der Larvalentwicklung werden fünf bis sieben Häutungen durchlaufen (Orion Berlin e.V., Mey 2019). Die Verpuppung findet im Gewässer statt. Nach einer Puppenruhe von etwa 14 Tagen verlässt die Puppe das Gehäuse und kriecht aus dem Wasser oder entlässt die Imago von der freien Wasseroberfläche (Orion Berlin e.V., Mey 2019). Große Arten bilden nur eine Generation im Jahr aus, wogegen die kleineren Arten der stehenden Gewässer meist zwei Generationen im Jahr hervorbringen.

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Aus Deutschland sind bis zum Jahre 2001 insgesamt 313 Köcherfliegenarten bekannt geworden (ROBERT 2001). Davon wurden 114 auch bisher in Berlin gefunden (Orion Berlin e.V., Mey 2019). Die Fauna des Landes Brandenburg umfasst 165 Arten (MEY 1993, MEY & BERGER 2004). Aus der Lausitz und somit auch aus dem Landkreis Elbe-Elster liegen immer noch sehr wenige Angaben vor. Gegenwärtig ist der Artenbestand dieser Region nur zu einem geringen Teil bekannt. Immerhin sind aus dem betrachteten Landkreis aktuell (2019) 84 Arten bekannt. Selbst zur regionalen Verbreitung dieser Arten ist derzeit unser Wissen auch nur lückenhaft. Die folgenden Seiten sollen dazu beitragen, diese Kenntnislücken zu schließen.

Quellen:

MEY, W. 1993: Kommentiertes Verzeichnis der Köcherfliegen (Trichoptera) der Länder Berlin und Brandenburg. 135-145. In: GERSTBERGER, M. & MEY, W. (Hrsg.): Fauna in Berlin und Brandenburg. Fördererkreis der naturwissenschaftlichen Museen Berlins e. V.

MEY, W. 2005: Rote Liste und Gesamtartenliste der Köcherfliegen (Trichoptera) von Berlin. In: Der Landesbeauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung (Hrsg.): Rote Listen der gefährdeten Pflanzen und Tiere von Berlin. CD-ROM.

MEY, W. 2019: Köcherfliegen (Trichoptera)Arten in Berlin-Brandenburg. Entomologische Gesellschaft ORION Berlin gegr. 1890 e. V. https://www.orion-berlin.de/k_fliegen/trichoptera.php (downloaded 14.10.2019).

MEY, W. & BERGER, T. 2004: Erstnachweise von Köcherfliegen (Insecta, Trichoptera) in der Mark Brandenburg seit 1993. Märkische Entomologische Nachrichten 6 (1): 85-92.

ROBERT, B. 2001: Verzeichnis der Köcherfliegen (Trichoptera) Deutschlands. In: KLAUSNITZER, B. (Hrsg.): Entomofauna Germanica 5. Entomologische Nachrichten und Berichte, Beiheft 6: 107-151.

Liste der bisher im Landkreis Elbe-Elster festgestellten Arten

(Durch anklicken der unten aufgeführten Arten erhält man weitere Informationen zu Determination und Ökologie)

 

Rhyacophilidae

Rhyacophila nubila (Zetterstedt, 1840)

 

Hydroptilidae

Agraylea sexmaculata Curtis, 1834

Orthotrichia angustella (McLachlan, 1865)

Oxyethira tristella Klapalek, 1895

 

Psychomyidae

Lype reducta (Hagen, 1868)

Psychomyia pusilla (Fabricius, 1781)

Tinodes waeneri waeneri (Linnaeus, 1758)

 

Ecnomidae

Ecnomus tenellus (Rambur, 1842)

 

Polycentropodidae

Cyrnus flavidus McLachlan, 1864

Cyrnus crenaticornis (Kolenati, 1859)

Cyrnus insolutus McLachlan, 1878

Cyrnus trimaculatus (Curtis, 1834)

Holocentropus dubius (Rambur, 1842)

Holocentropus insignis Martynov, 1924

Holocentropus picicornis (Stephens, 1836)

Holocentropus stagnalis (Albarda, 1874)

Neureclipsis bimaculata (Linnaeus, 1758)

Plectrocnemia conspersa (Curtis, 1834)

Polycentropus flavomaculatus (Pictet, 1834)

Polycentropus irroratus (Curtis, 1835)

 

Hydropsychidae

Cheumatopsyche lepida (Pictet, 1834)

Hydropsyche angustipennis (Curtis, 1834)

Hydropsyche bulgaromanorum Malicky, 1977

Hydropsyche contubernalis McLachlan, 1865

Hydropsyche incognita Pitsch, 1993

Hydropsyche instabilis (Curtis, 1834)

Hydropsyche pellucidula (Curtis, 1834)

Hydropsyche saxonica McLachlan, 1884

Hydropsyche siltalai Doehler, 1963

 

Phryganeidae

Agrypnia varia (Fabricius, 1793)

Agrypnia pagetana Curtis, 1835

Hagenella clathrata (Kolenati, 1848)

Oligotricha striata (Linnaeus, 1758)

Phryganea bipunctata Retzius, 1783

Phryganea grandis Linnaeus, 1758

Trichostegia minor (Curtis, 1834)

 

Apataniidae

Apatania auricula (Forsslund, 1930)

 

Limnephilidae

Anabolia nervosa (Curtis, 1834)

Anabolia furcata Brauer, 1857

Glyphotaelius pellucidus (Retzius, 1783)

Grammotaulius nigropunctatus (Retzius, 1783)

Grammotaulius nitidus (Müller, 1764)

Halesus radiatus (Curtis, 1834)

Limnephilus affinis Curtis, 1834

Limnephilus auricula Curtis, 1834

Limnephilus binotatus Curtis, 1834

Limnephilus bipunctatus Curtis, 1834

Limnephilus decipiens (Kolenati, 1848)

Limnephilus extricatus McLachlan, 1865

Limnephilus flavicornis (Fabricius, 1787)

Limnephilus griseus (Linnaeus, 1758)

Limnephilus lunatus Curtis, 1834

Limnephilus marmoratus Curtis, 1834

Limnephilus politus McLachlan, 1865

Limnephilus rhombicus (Linnaeus, 1758)

Limnephilus sparsus Curtis, 1834

Stenophylax permistus McLachlan, 1875

Potamophylax latipennis (Curtis, 1834)

 

Goeridae

Goera pilosa (Fabricius, 1775)

 

Lepidostomatidae

Lepidostoma basale (Kolenati, 1848)

Lepidostoma hirtum hirtum (Fabricius, 1775)

 

Leptoceridae

Athripsodes albifrons (Linnaeus, 1758)

Athripsodes cinereus (Curtis, 1834)

Ceraclea albimacula (Rambur, 1842) [= C. alboguttata (Hagen, 1860)]

Ceraclea annulicornis (Stephens, 1836)

Ceraclea dissimilis (Stephens, 1836)

Ceraclea fulva (Rambur, 1842)

Ceraclea nigronervosa (Retzius, 1783)

Ceraclea senilis (Burmeister, 1839)

Leptocerus interruptus (Fabricius, 1775)

Leptocerus tineiformis Curtis, 1834

Oecetis furva (Rambur, 1842)

Oecetis lacustris (Pictet, 1834)

Oecetis notata (Rambur, 1842)

Oecetis ochracea (Curtis, 1825)

Oecetis testacea (Curtis, 1834)

Triaenodes bicolor (Curtis, 1834)

Ylodes detruncatus (Martynov, 1924)

Ylodes simulans (Tjeder, 1929)

Mystacides longicornis (Linnaeus, 1758)

Mystacides nigra (Linnaeus, 1758)

 

Sericostomtidae

Notidobia ciliaris (Linnaeus, 1761)

 

Molannidae

Molanna albicans (Zetterstedt, 1840)

Molanna angustata Curtis, 1834

Danksagung (bitte hier weiterlesen)

 

Zitiervorschlag:

Landeck, I.: Ein Beitrag zur Kenntnis der Köcherfliegen im Landkreis Elbe-Elster (S-Brandenburg).- http://www.ingmar-landeck.de/deutsch/frames/main/Insecta_ee/trichoptera.html (Stand: jüngstes Datum der Aktualisierungen)